Bläserchor Nieder-Olm e.V.
Stand 30.9.2017
von Peter Weisrock
Musicanten, eine Zierde des Festes
Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts läßt sich in Nieder-Olm das Auftreten von Musikanten schriftlich belegen. Da es bis zum 16. Jahrhundert keine selbstständige Instrumentalmusik gab, dürfen wir unterstellen, daß der Gebrauch von Einzelinstrumenten bereits wesentlich früher in dem kleinen kurmainzischen Städtchen üblich war. Ihre Anwendung erfolgte möglicherweise im sehr bescheidenen Rahmen zum Kirchweihfeste, wenn offene dänz von denen jungen leuthen veranstaldtet werdten, wie Schultheiß Johann Schreiber 1776 bemerkt. Aber die Musicanten beteiligten sich nicht nur an der Gestaltung weltlicher Vergnügen. So ist uns seit dem Jahr 1708 bekannt, daß die Musicanten, so uff Kirchweyhung bey der Proceßion umb den Ort das hochwürdige Guth ( Monstranz ) mit ihren Pfiedelen (Fiedeln) begleitet haben. Bald erfahren wir auch den ersten Musikantennamen : 1779 heiratet Theobald Ambach, Musikant aus Gau-Algesheim, nach Nieder-Olm, dessen Nachfahren noch bis in unsere Zeit der musikalischen Ambition ihres Familiengründers treu blieben. Auch an der Revolutionsbewegung Nieder-Olmer Jakobiner, am Anfang des Jahres 1793, beteiligten sich die die Dorfmusikanten, als alle ehemaligen herrschaftlichen Wappen im Schloß, als auch an den Häusern demoliert, wobey die Music unter beständigem <Vivat la Nation> sich hören liesse. In der nachfolgenden napoleonischen Epoche bezeichnete Maire (Bürgermeister) Franz Jacob Leiden anläßlich der Kirchweih von 1803, die Musicanten als eine Zierde des Festes. Unter weniger erfreulichen Umständen lernen wir ein Jahr später weitere Musikantennamen kennen. Um ihren Kollegen Jakob Sieben vor dem meist sicheren Tod auf den Schlachtfeldern zu retten, attestierten die Musicanten Valentin Ambach und Anton Seibert ihm vor dem gefürchteten Musterungsausschuß eynen Gehörfehler und Bewußtseynsstörungen, die besonders dann auftredten, wenn wir an Kirchwey aufspielen. Bei der ersten uns bekannten größeren Kapelle handelt es sich um die 1865 gegründete Musikkapelle Eifinger-Schmitt, die bis Ende der 1870er Jahre bestand. Nach der 1871 erfolgten Proklamierung des zweiten Deutschen Reiches durch Bismarck erfreute sich die Militärmusik auf den Rekrutenbällen und Veranstaltungen des Veteranenvereins zunehmender Beliebtheit. Wie in vielen anderen benachbarten Gemeinden etablierten sich auch in Nieder-Olm im verstärkten Maße Musikkapellen, zumeist nach dem Vorbild der auch im Landkreis bekannten Militärkapelle der 23er Dragoner in Mainz. Anton Ambach baute 1880 eine kleine Musikantengruppe auf, die bis in die 1920er Jahre zu hören war. Der Schriftsteller Wilhelm Holzamer hat ihn unter dem Pseudonym Anderbach, der in der Brauerei (Gasthaus zur Krone) zur Kirchweih aufspielte, in seinem Roman Vor Jahr und Tag verewigt. Bis zur Jahrhundertwende zeigte die Musikkapelle Schmitt-Seibert ihr Können. Wie die Musikkapelle Michael Eifinger bestand sie bis in die 1930er Jahre. Den musikalischen Rahmen großer kirchlicher und weltlicher Festtage gestaltete man oft in kooperativer Gemeinsamkeit. Noch während der Amtszeit von Pfarrer Bernhard Wahlig (1914-1925) konstituierte sich im katholischen Jugend- und Jungmännerverein um 1920 eine Blaskapelle, die vornehmlich der musikalischen Umrahmung kirchlicher Veranstaltungen diente. Sie stand unter der Leitung des am Mainzer Stadttheater tätigen Kammermusikers Georg Mayer aus Nieder-Olm. Ihm nachfolgende Dirigenten waren, bis zur Gleichschaltung in der nationalsozialistischen Zeit, Emanuel Frühmann und Otto Pütz. Durch die Wirren des 2. Weltkrieges und fehlenden Nachwuchs mußte man um den Fortbestand der alten Tradition bangen Dieses Problem wurde durch eine Neugründung im Jahre 1968 unter Pfarrer Nicolay und dem Dirigenten Karl Mombächer beseitigt.
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